In der Zange Rotating Header Image

Kritik: Precious – Das Leben ist kostbar

Endlich ist “Precious – Das Leben ist kostbar” auch bei uns in den Kinos gelandet und ich war froh darüber ihn endlich sehen zu dürfen. Lee Daniels, der nach seinem ersten Film “Shadowboxer” sich dem Roman von Sapphire widmet, waagt sich mit diesem Thema aufs Glatteis. Sapphire, eigentlich Ramona Lofton, schrieb ihren Roman schon 1996 und lies es sich nicht nehmen auch eine kleine Rolle im Film zu spielen, um genauer zu sein spielt sie eine Tagesbetreuerin. Nicht nur wurde ihr Roman hochgelobt und mit Preisen überschüttet auch der Film erlangte zuletzt durch die Oscars größeren Ruhm, doch ob dieser auch berechtigt ist, werden wir jetzt sehen.

“Precious – Das Leben ist kostbar” erzählt die Geschichte von Claireece Jones (Gabourey Sidibe), die von ihrer Familie allerdings Precious genannt wird. Sie ist 16, lebt in Harlem und ist zum 2. mal schwanger. Sie geht gern zur Schule, hat jedoch Probleme mit dem Lesen und Schreiben, woraufhin man sie in eine Sonderschule schickt. In der Zeit verläuft ihr Leben wie immer, zu Hause wird sie geprügelt und beschimpft und sie darf sich noch nicht einmal um ihre Tochter kümmern, die das Down-Sydrom hat und bei der Großmutter aufwächst. Das Arme Kind wird nicht nur Mongo genannt, sondern wird auch noch von Precious Mutter Mary (Mo’Nique – “Domino”) als Druckmittel benutzt um an ihre Sozialleistungen zu kommen. Was am Anfang noch heraussticht ist die Tatsche, das Precious viele Tagträume hat, ähnlich wie JD aus Scrubs, bei denen sie versucht der Wirklichkeit bzw. dem schrecklichen Leben zu entkommen.

Was so bemerkenswert an diesem Film ist, ist das er nicht weg schaut oder gar ein Blatt vor den Mund nimmt, er zeigt die blanke Wahrheit mit der sich ein übergewichtiges, misshandeltes Kind auf diesem Harten Pflaster in New York zurecht finden muss. Toll sind auch die Gegensätze die immer wieder aufblitzen, ihre Mutter nennt sie Precious( deut. kostbar/wertvoll) und gleichzeitig misshandelt und beschimpft sie sie. Harter Tobak was hier angeschnitten wird, das einem oftmals der Mund offen steht bei einer so straffen und konsequenten Inszenierung.

Angekommen in der neuen Schule muss Claireece erstmals neue Hürden nehmen, vor der Klasse sprechen, Schreiben oder in der ersten Reihe sitzen. Diese alltäglichen Passagen wirken so erfrischend, im Gegensatz zu ihrem Zuhause und dessen Zustand, das man den ganzen Film über mitfiebert und bangt damit Precious ihren Abschluss schafft. Die aussenseiter Truppe, die erstmals in der neuen Schule einen Zusammenhang spühren, freunden sich an und arbeiten immer mehr zusammen. Jeder muss nun alltägliche Schularbeiten erledigen wie Hausaufgaben oder Gedichte schreiben, durch die intensive Betreuung von Ms. Rain (Paula Patton – “Hitch”) kommen die 6 schnell voran und Claireece sieht Licht am Ende des Tunnels.  Doch die immer größer werdende Hoffnung wird immer wieder durch Mary zerstört und jede weitere Szene fühlt sich wie ein erneuter Schlag ins Gesicht an und das nicht nur für Precious.

Getragen wir der Film durch seine unglaublich guten Darsteller, angefangen bei Gabourey Sidibe bis hin zu Mariah Carey spielen so gut, das die Oscar Nominierungen vollkommen gerechtfertigt waren. Die Haupdarstellerin macht ihre Sache so gut das man manchmal sogar das Gefühl hat, das sie nicht die Claireece spielt sondern sie mit leib und Seele wiedergibt. Auch die Oscarpreisträgerin Mo’Nique, die völlig zurecht den Oscar bekommen hat, überzeugt in jeder einzelnen Szene als böse Mutter bis hin als Schauspielerin für die Sozialarbeiter. Unglaublich guter Cast von dem man hoffentlich noch sehr viel mehr sehen wird.

Aufgrund des Drängen von Mary soll Precious endlich hieren Arsch hochheben und zum Sozialamt laufen um Geld zu beschaffen, sie trifft dort auf Mrs. Weiss (Mariah Carey – “Leg dich nicht mit Zohan an”), die sich ihrer animmt und versucht ihr zu helfen. In der Zeit verarbeitet Precious ihre schlimme Vergangenheit und gleichzeitig bereitet ihr die Schule immer mehr Freude, bis sie ins Krankenhaus kommt und ihr kleiner Junge geboren wird. Von da an wird Claireece klar wie sie ihr Leben gestalten will und das ihre Mutter ihr nur im Wege steht, sie wird erwachsen und nimmt ihr Leben, das so kostbar ist selber in die Hand und versucht es mit ihren 2 Kindern so gut wie möglich zu meistern.

Die vielen Probleme die aufgezeigt werden und gleichzeitig die Leidenschaft bzw. die Hilfsbereitschaft anderer Menschen hätte man nicht besser darstellen können. Lee Daniels hat durch seine starke Inszenierung ein Meisterwerk des Dramas erschaffen, dass unheimlich tief in die Materie eindringt, gleichzeitig Lösung aufzeigt und dabei nie den kindlichen Aspekt aus dem Auge verliert. Hier schaut man nicht einen Film sondern man erlebt ihn, einerseits ist man hoffnungsvoll anderseits ist man zu tiefs erschüttert und am Ende kommt es einem so vor als ob man den schlimmsten und besten menschlichen Eigenschaften ins Auge geblickt hat.

Fazit: Precious ist ein intensiver wie auch erlebnisreicher Film, den man unbedingt mal geschaut haben muss. So viel Höhen und Tiefen, so viel Emotionen und Gefühle die erst einmal verdaut werden müssen, machen den Film so kostbar. Die Darsteller und auch der Regisseur haben so unglaublich gute Arbeit geleistet, das es ein wunder ist, das der Film nur 6 Oscar bekommen hat. Nachdem man den Film gesehen hat, will man Sandra Bullock den Oscar einfach nur entreißen und ihn Gadabour Sidiby geben. Die Interpretation des Romans und die gezeigten Situationen lassen einem nicht mehr los und regen zum Nachdenken an, denn das eigentlich Schreckliche ist, das die dargestellten Szenen zu hauf passiert sind und auch noch passieren, vielleicht sogar jetzt, irgendwo.

Prädikat Wertvoll!

3 Kommentare

  1. Dr. Borstel sagt:

    Hey, lebt ihr noch?

  2. Judge sagt:

    Ja sry, wurden in letzter Zeit leider ein wenig abgelenkt ;)… geht jetzt aber bald wieder richtig los! Als kleinen Anreiz, es kommt als nächste Kritik The Descent 2!

  3. Khitos sagt:

    Und ich dacht ich mach lange Pausen ^^

Hinterlasse einen Kommentar