
- Vor Gericht herrscht Krieg. Wer verliert, ist tot.
- Die Wahrheit ist relativ, suchen sie sich eine aus.
- Da wir Geschworene haben, sind für uns nur zwölf Meinungen von Bedeutung. Für Gerechtigkeit in dieser Welt muss der liebe Gott schon selbst sorgen.
Sebastian Stark (James Wood - “Casino”) ist ein wahrer Haifisch im Gerichtssaal. Als egozentrischer und zynischer Verteidiger schafft er es selbst eindeutig schuldige Drogenbosse, Vergewaltiger und Mörder aus dem Gefängnis zu holen. Doch wie bei vielen Leuten, die ihre Seele für Geld verkaufen, kommt die Sühne meist dann wenn es zu spät ist. Starks letzter Mandant ermodert kurz nach seinem Freispruch seine Frau und hinterlässt einen emotional verwirrten Sebastian Stark. Als ihm dann kurz darauf dieLeitung einer neugebildeten Sondereinheit der Staatsanwalt angeboten wird, wechselt er die Seiten. Hatte er vorher schon einen schweren Stand, so hat er in diesem Moment sogut wie alle Leute gegen sich. Zu den allgemeinen Feinden bei Polizei und Staatsanwaltschaft kommen nun auch seine ehemaligen Kollegen dazu. Und wäre das noch nicht genug, so stellt sich seine Sondereinheit als Gruppe ungewollter Loser heraus, die einzig allein dem Bürgermeister seine Wiederwahl ermöglichen sollen, und seine neue Chefin Jessica Devlin (Jeri Ryan – “Star Trek: Raumschiff Voyager”) macht ihm das Leben zu Hölle.Auch in seinem Privatleben geht es mit seiner Scheidung und dem Sorgerechtsstreit um seine Tochter Julie (Danielle Panabaker – “Sky High”) sehr turbulent zu.
Krimi-Serien sind im Moment anscheinend der Renner. Während man “CSI” wohl bald auch in Washington oder L.A. ansiedeln muss, um das große Verlangen der Fans zu stillen, feierten besonders die paranormalen Ermittler, ob nun “The Mentalist” oder “Psych”, ’08 und ’09 ihre Hochkonjunktur. Anwaltsserien sind da weit weniger stark vorzufinden. Bis auf die Dauerbrenner “Law and Order”, “Boston Legal” oder auch die seichte Variante, “Ally McBeal”, gibt es fast keine weiteren Vertreter. “Shark” jedenfalls, darf sich ohne große Worte zu den Besseren dieses Genres zählen.
Mit einer Menge Budget und einem coolen James Woods schafft die Serie schon vor der Sichtung eine interessante Basis. Der Pilot, übrigens von Spike Lee gedreht, stellt sich im Nachhinein sogar als fast beste Folge der Staffel heraus, wo sie doch als einzige Folge die Charaktere und die Hintergrundstory komplett so umsetzt, wie eigentlich geplant. In den folgenden Episoden verrät sich die Serie dann selbst. Während man sich besonders auf bissige Duelle zwischen dem Hai und seiner neuen Chefin freut, verlieren sich die Differenzen zu schnell im gemeinsamen Gerechtigkeitssinn. Auch die Sondereinheit, angeblich zusammengestellt aus den schlechtesten Anwälten der Anwaltskammer, avanciert bereits in Folge 2 zum Besten was die Staatswaltschaft zu bieten hat. Sehr schade das hier so umgedacht wurde.
Doch eine Frage stellt sich schon unweigerlich beim Sichten des Piloten. Hat hier CBS versucht bei der FOX Erfolgsserie “Dr. House” abzukupfern? Das Konzept des selbstgefälligen Egomanen der nicht verlieren kann und auch vor dem Übertreten von Regeln keine Scheu hat, ist ja nichts neues. Auch die störrische Chefin und das Team aus Neulingen, die nicht immer mit seinen Methoden einverstanden sind, aber in ernsten Fällen zu ihm halten, sind so übernommen worden. In meinen Augen zu viele Gemeinsamkeiten um nur reiner Zufall zu sein. Zu verstehen ist das schon, wo doch das Konzept des einsamen Leitwolfes, z.B. auch bei “NCIS” im Moment auch einer starker Quotenmagnet ist.
Aber trotz des gleichen Konzepts schafft es Ian Bidermanns “Shark” nicht in die Liga von “Dr. House”. Die einzelnen Charaktere sind wenig umfangreich dargestellt und besonders Starks Team ist ein bunter Haufen verschiedenster Stereotypen, die kaum Hintergrundinformationen durchblicken lassen, noch eine Entwicklung durchmachen. Einzige inhaltliche Entwicklung, die über die verschiedenen Episoden verfolgt werden darf, ist die Beziehung zwischen Stark und seiner 16-jährigen Tochter Julie. Nachdem die sich nämlich entschlossen hat bei ihrem Vater zu leben, bringt sie selbstverständlich auch alle Probleme einer heranwachsenden jungen Frau mit, damit auch Themen wie Drogen, Sex und Partys. Da die Beziehung zwischen beiden nie die Allerbeste war, haben beide eine Menge aneinander zu lernen und zu wachsen. Viel von Starks Vergangenheit und seinen Hintergrund hat man am Ende der 22 Folgen aber auch nicht in Erfahrung gebracht.
Damit die Serie nicht nur leer dahinplätschert erschafft Ian Biedermann einen ultimativen Gegner für Stark und zwar einen der im ebenbürtig ist. Ähnlich wie Ari Haswari bei “NCIS” ist Wayne Callison (Bill Campbell - “Der Denver-Clan”) hier Starks krasses Gegenstück. Er stellt ihn auf die harte Probe und holt Starks verborgendste Seiten ans Tageslicht. Erschreckend das dabei teilweise die Grenze zwischen Recht und Unrecht so sehr verschwimmt, das wie z.B. bei “Dexter” Themen wie Selbstjustiz unwirklich sympathisiert werden. Das sowas gegebenenfalls gefährlich sein kann muss man theoretisch niemanden sagen.
Fazit: “Shark” ist nette Krimiunterhaltung und schwingt sich besonders durch James Woods auf eine zuletzt überdurchschnittliche Qualität. Nicht unbedingt ein Must-See, aber für einen ruhigen Abend unter der Woche eine gute Option.
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