
Abandon selective targeting. Shoot everything. Targets are now free. We’ve lost control.
2002 kam ein Film ins Kino, der sowohl Kinofans als auch Kritiker überraschte und mit seinem geringen Budget von gerade mal 8 Mio. $ das schaffte, was Genrekollegen mit einem 5-fachen des Budgets (siehe “Resident Evil”) nicht vermögen. Danny Boyles “28 Days Later” ist ein Paradebeispiel dafür, das Effekthascherei und große Namen nicht alles sind. Mit dem gespenstisch menschenleeren London als Setting für den Überlebenskampf einiger weniger uninfizierten Menschen schafft er die Grundlage für einen der besten Zombie/Infizierten-Filme seit Jahren.
Der finanzielle Erfolg machte es schnell klar, früher oder später musste eine Fortsetzung kommen. Immerhin ganze 5 Jahre dauerte es bis der Nachfolger “28 Weeks Later” in die Kinos kam. Danny Boyle (“Sunshine”) übernahm dieses mal aber lieber die Rolle des Produzenten und überlies dem noch unerfahrenen Juan Carlos Fresnadillo (“Intacto”) den Regiestuhl.
Das Sequel beginnt mit einer Sequenz die noch zu Zeiten des Vorgängers, also wenige Tage nach Ausbruch der Krankheit passiert sein muss. Man verfolgt das Schicksal einiger Überlebender, die sich in einem Cottage verbarikadiert haben und denen ihre Hilfsbereitschaft schlussendlich zum Verhängnis wird. Binnen Sekunden verwandelt sich die vermeidlich sichere Zuflucht in ein blutiges Schlachthaus und einzig Don (Robert Carlyle – “Eragon”) scheint diesem entfliehen zu können. Dabei muss er notgedrungen seine Frau Alice (Catherine McCormack - “Braveheart”) zurücklassen.
Dann setzt die Geschichte zu einem späteren Zeitpunkt ein, und zwar genau 28 Wochen nach dem Ausbruch der Krankheit. Inzwíschen sind alle Infizierten gestorben und London wird unter Aufsicht der US-Armee Stück für Stück neu aufgebaut und wiederbevölkert.
Nun kehren auch die Kinder von Don, Tammy (Imogen Poots – “V wie Vendetta”) und Andy (Mackintosh Muggleton) zu ihrem überlebenden Vater zurück. Getrieben durch jugendlichen Leichtsinn schleichen sie sich raus aus District 1 und kehren zu ihrem früheren Zuhause zurück. Doch mit dem was da auf sie wartet, hat keiner gerechnet und kurz darauf bricht die Hölle auf die zurückgekehrten Londoner heraus.
Fresnadillo hegt im Gegensatz zu Boyle andere Prioritäten und das wird dem Zuschauer auch schnell bewusst. War es im ersten Teil doch besonders die bedrückende und fast klaustrophische Stille, die einen den eigenen Herzschlag hören ließen, so setzt der Neuling eher auf eine actionbetontere Inszenierung. Viele Schießereien, imposante Explosionen und heitere Verfolgungsjagten bestimmen den Film und natürlich wurde auch am Blut nicht gespart.
Leider meint es der Spanier in mancher Hinsicht jedoch zu gut mit seinem Publikum, besonders in Sachen übertriebenen Härte (siehe Helikopterszene). Insgesamt macht die Optik aber schnell klar, dass dieses mal eine Menge mehr Budget zur Verfügung standen.
Trotzdem wirft Fresnadillo die tollen Elemente aus dem Vorgänger Gott seit dank nicht über Bord. Die bildgewaltigen Kamerafahrten durch das verwüstete London und den beklemmende Soundtrack behält er bei, was nicht nur mich gefreut haben dürfte. Außerdem kann es die grandiose Szene mit dem Nachtsichtgerät á la “[REC]“/“Quarantäne” oder “The Descent” allemal mit der Tunnelszene aus “28 Days Later” aufnehmen und auch die Anfangsequenz mit der Flucht über das offene Feld kann sich sehen lassen.
Doch bietet der Film auch einige Enttäuschungen. So wie ich die Glaubwürdigkeit im Vorgänger schon bemängelte, machen mir die krassen Logiklücken in “28 Weeks Later” wieder einmal leichte Bauchschmerzen. Besonders wie es zum erneuten Ausbruch der Krankheit kommen kann wirkt zu sehr konstruiert und auch das Ende entzieht sich jeder klaren menschlichen Logik.
Außerdem ist der Verlauf der Story zu rasant inszeniert. Man verpasst es jegliche Beziehung zu den Charakteren aufzubauen ehe alles in einem unscheinbaren vorzeitigen Finale gipfelt. Ein paar zusätzliche Spielminuten hätten dem Film sicherlich gut getan. Die Seitenhiebe gegen das US-Militär fand ich im Gegensatz zu der sonstigen Hollywood typischen Verherrlichung als sehr angenehm, wohl generell ein Vorteil von Nicht-US-Produktionen. Da hat dann auch Menschenrechtskämpfer Sergeant Doyle (Jeremy Renner – “S.W.A.T.”) als Retter in der Not nichts mehr retten können.
Ob man es nun aber gut finden soll, dass das Ende klar für einen weiteren Film offen steht, sei mal dahingestellt, aber, und das wird vielen klar sein, muss und wird es irgendwann einen “28 Months Later” Film geben, wann steht aber noch in den Sternen. Ich für meinen Teil würde mich freuen, denn “28 Weeks Later” hat immernoch sehr viel Spass gemacht und darf sich mit Fug und Recht auf die Ebene seines Vorgängers stellen.
Fazit: Die Infizierten sind zurück und sie gieren wieder nach Chaos und Tod. Regie-Neuling Fresnadillo inszeniert betont actiongeladener aber dennoch einem Danny Boyle ebenbürtig. Einzig die Logikfehler sind zum Haare raufen (oder eher zum ausreißen).
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Kann ich so unterschreiben. Ich fand nur den Vorgänger noch einen Tick besser.